Es ging also darum, wie die User Experience dazu beitragen kann, die Umwelt zu schonen und ein nachhaltigeres Leben zu führen. Fünf spannende Vorträge und ein interaktiver Lean World Cafe standen im Programm und haben mögliche Lösungsansätze aufgezeigt und diskutiert.

Mobilität

Laut Dr. Ing. Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW neigt sich die Mobilität, so wie wir sie heute kennen, allmählich dem Ende zu. So können wir beim Auto eher von einem Stehzeug als vom Fahrzeug sprechen, da diese im Durchschnitt eine Nutzzeit von etwa 26% haben und mehr stehen als fahren. Die meisten Autofahrer sitzen zudem alleine im Fahrzeug, was nicht nur vermehrt zu Staus führt sondern auch dazu, dass 95% der Fläche in den Innenstädten von parkenden Autos beansprucht wird.

Dr. Ing. Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW

Dr. Ing. Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW

Die Probleme sind nicht neu und die Lösungsfindung hat bereits begonnen. Insbesondere die Digitalisierung, Elektrifizierung und Robotisierung tragen dazu bei, dass Veränderungen der Mobilität in rasantem Tempo auf uns zukommen. Genau hier bestehen die Chancen den Wandel aktiv mitzugestalten und das Ganze an den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer zu orientieren. Fahrzeuge die weniger CO2 verursachen sind ein Ansatz, Elektroautos eine Optimierung davon. In naher Zukunft können wir zudem mit selbstfahrenden Autos rechnen, die miteinander kommunizieren und möglichst effizient fahren. Aber löst das unsere Probleme?

Einen spannenden Ansatz bringt das Sharing, also das Teilen von Alltagsgegenständen, um diese effizienter zu nutzen. Ein Vorreiter im Zusammenhang von Mobility ist Blablacar. Hier kann ein Fahrzeugbesitzer seine geplante Route online veröffentlichen und eine Mitfahrgelegenheit anbieten, um so nicht nur die Kosten zu teilen, sondern dabei auch die Umwelt zu schonen. Die grösste Hürde scheint hier die soziale Akzeptanz zu sein, die Komfortzone zu verlassen und mit ‘Fremden’ mit zu fahren bzw. diese im eigenen Fahrzeug mitzunehmen. Eine positive User Experience kann dem entgegenwirken. Wir stehen hier allerdings noch am Anfang des Potentials. Die Zukunft wird uns nicht zurück auf das Pferd bringen, sondern eher in die Kutsche der Zukunft, die man auf effiziente Art und Weise mit weiteren Personen teilen kann.

Energie

Viel zu tun gibt es auch bei der Energiegewinnung und -nutzung. Der Verbrauch steigt täglich an, eine wirklich nachhaltige Lösung mit erneuerbaren Energien wurde bisher noch nicht gefunden. Auch ist das Thema im Laufe der Zeit immer komplexer geworden und der Durchschnittsbürger kennt sich hier kaum noch aus.

Andrea Zulauf präsentiert mit dem Projekt RENGOO einen Lösungsansatz. Das Angebot verschiedener Energielieferanten soll transparent dargestellt werden, sodass Licht ins Dunkel gebracht wird wie der Endbenutzer zur Energie kommen und wie die produzierte Energie mit anderen geteilt werden kann. Auch hier ist die User Experience gefragt. Gute Erfahrungen der Endnutzer könnten der entscheidende Faktor sein im Rennen um die Energie der Zukunft.

Lutz Gegner von BEN Energy

Lutz Gegner von BEN Energy

Einen ähnlichen Weg geht auch Lutz Gegner von BEN Energy. Für ihn stehen in Zukunft Transparenz und Einfachheit im Vordergrund. In der Praxis ist es heute nämlich noch so, dass der Energieverbrauch sehr abstrakt und unübersichtlich dargestellt wird. In der Vergangenheit war beispielsweise der Stromzähler einfach zugänglich und man konnte verfolgen wie sich der Zählerstand schneller dreht, wenn z.B. der Staubsauger läuft. “Zurück in die Energiezukunft” lautet daher das Motto und es soll wieder mehr Sensibilität geschaffen werden für den persönlichen und bewussten Umgang mit Energie. Mittel- bis langfristig gilt es das Thema auf spielerische, transparente, zugängliche Art und Weise wieder ins Bewusstsein zu rücken. Mögliche Ansätze hierfür: den Endnutzer durch personalisiertes Feedback oder messbaren Vergleichen wieder mehr einbeziehen. Denn nur derjenige wird aktiv etwas verändern wollen, dem die Thematik auch bewusst ist.

Ernährung

Es geht um klimafreundliches Essen. Das zuzubereiten ist einfacher als es sich anhört, so Manuel Klarmann, Co-Gründer von Eaternity. Deren Ziel ist es Restaurants und Konsumenten faktenbasiert aufzuzeigen, wie man sein Essen klimafreundlich gestalten kann. Schliesslich werden knapp ein Drittel der weltweiten Treibhausgase verursacht von unser aller Essverhalten. Eaternity verbreitet allerdings Hoffnung, weil die Möglichkeit besteht diese Emissionen um ca. die Hälfte zu reduzieren. Wenn also drei Mal pro Woche klimafreundlich gegessen wird, kann jährlich 1 Tonne CO2 pro Person eingespart werden. Dabei geht es nicht um den kompletten Verzicht, sondern darum einen bewussteren Umgang im Alltag zu etablieren. Die Eaternity App macht die Auswirkungen Allgemein messbar und somit vergleichbar, sodass veranschaulicht wird welchen Einfluss die individuelle Ernährung auf die Umwelt hat.

Manuel Klarmann, Co-Gründer von Eaternity

Manuel Klarmann, Co-Gründer von Eaternity

Nudging

Andreas Wolkenstein von der Universität Tübingen kommt mit der These, “gutes tun und sich wohlfühlen dabei — die Welt durch Green UX zu einem besseren Ort machen”. Hört sich vielversprechend und sinnvoll an, aber warum leben wir das nicht bereits? Oder tun wir schon?

Andreas Wolkenstein von der Universität Tübingen

Andreas Wolkenstein von der Universität Tübingen

Heute sind es insbesondere gesetzliche Regularien oder Verbote die die Welt zu einem besseren Ort machen sollen. Der grosse Erfolg hinsichtlich mehr Nachhaltigkeit lässt bisher noch auf sich warten. Es wäre allerdings fahrlässig zu behaupten, die gesetzliche Grundlage bringe uns nicht weiter. Eher noch sind es kleine Schubser (nudging), also Aufforderungen, Erinnerungen, das darauf Hinweisen, die uns in die nachhaltige Richtung bewegen können. Es ist sehr wichtig die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit in den Alltag einzubauen, ein Bewusstsein hierfür zu entwickeln und die Gewohnheiten anzupassen. Kleine Schubser und eine positive Experience können dabei behilflich sein, alte Muster zu ändern und Schritt für Schritt das umweltbewusste Handeln in die Gewohn- und Gepflogenheiten zu integrieren.

Lean World Cafe: Diskussionsgruppen zu den WUD Themen

Lean World Cafe

Workshop at Lean World Cafe

Von der Workshop-Methode des World Cafes dürfte man bereits gehört haben, das Prinzip dahinter ist einfach. Man sitzt oder steht sich in Gruppen gegenüber, diskutiert ein Thema und zeigt seine Perspektive auf. Auf beschreibbaren Tischdecken kann das diskutierte veranschaulicht und festgehalten werden. Beim WUD haben wir das angepasst und ein Lean World Cafe daraus gemacht — gleiches Prinzip, nur schlanker, also ohne Papier, Stift und Kaffee. Spannende Gespräche, verschiedene Einblicke und konkrete Vorschläge zu Themengebiet Green UX waren das Ergebnis.

UX ist die Lösung

Das Thema Green UX wirft zunächst möglicherweise Fragezeichen auf. Bei genauerem Hinsehen wird allerdings klar, dass nicht nur Produkte und Prozesse durch User Experience optimiert werden können, sondern auch individuelle Verhaltensweisen. Nachhaltigkeit und UX Design sind innig miteinander verflochten. Ein stärkerer Fokus auf Nachhaltigkeit und die damit verbundene positive Experience mit Umweltthemen können uns dabei helfen, nicht nur sichtbares zu verbessern wie bei der Mobilität, sondern auch schlecht sichtbares leichter zugänglich zu machen, wie wir es bei den beiden Energie-Vorträgen gehört haben.

Aber auch bei unseren Essgewohnheiten kann mit mehr Bewusstsein und Transparenz einiges erreicht werden. Die User Experience trägt ihren Anteil dazu bei, indem die veränderten Erfahrungen gerne und mit gutem Gefühl aufgenommen werden, anstatt Veränderungen von vornherein abzulehnen.

Danke

Herzlichen Dank dem Verein UX Schweiz für das Organisieren eines weiteren gelungenen World Usability Day. Ein weiteres Dankeschön geht an die HSR für die wunderschöne Location und das Catering. Dem Roland Siegenthaler von echt praktisch für seine visuelle und amüsante Zusammenfassung des ganzen Events. Last but not least: Boris Baldinger für die wunderschönen Impressionen vom Event. Die ganze Fotoserie kann hier angeschaut werden: http://uxschweiz.ch/events/world-usability-day-2016/impressionen/

ux messbar machen

E-Book: UX messbar machen und die UX-Kultur im Unternehmen stärken

Eine bessere UX führt  zu zufriedeneren Mitarbeitern, zu geringerem Support-Aufkommen und letztendlich zu mehr Umsatz. Die Herausforderungen ist es, dies auch Kollegen und insbesondere den Chefs bzw. Geschäftsführern klar zu machen.

Dieser Leitfaden zeigt Dir auf, wie Du die UX messen kannst und so die Bedeutung von UX in Deinem Unternehmen stärkst und verankerst.