A wie ALLZWECK

Die universelle und perfekte Testperson, also sozusagen eine Allzweck-Testperson, gibt es nicht. Mit deinem Produkt sind spezielle Bedürfnisse verbunden, die sich im Laufe der Weiterentwicklung auch stark verändern können. Frag dich, welches Bedürfnis du beim Testing prüfen möchtest. Nimm dir Zeit, um die gewünschte Testperson zu definieren. Lade gezielt Personen ein und nicht einfach jemanden, der gerade Zeit hat. Andernfalls bist du mit den Ergebnissen nicht zufrieden und erhältst ein verfälschtes Feedback.

B wie BERUFSTÄTIG

Unserer Erfahrung bei TestingTime nach sind berufstätige Tester beliebter als nicht berufstätige. Vielleicht, weil sie kaufkräftiger wirken, näher am Geschehen scheinen oder gesellschaftlich einen höheren Status genießen. Dies ist jedoch eine gefährliche Segmentierung. Natürlich ist es sinnvoll, eine berufsnahe Person auszuwählen, wenn es um ein Produkt aus dem Berufsalltag geht. Bei anderen Produkten repräsentieren Berufstätige jedoch nur einen Teil der zukünftigen Nutzergruppe. So werden auch die Vollzeitstudentin, der Hausmann und die Frührentnerin dein Produkt nutzen. Gerade Menschen, die vielleicht nicht täglich pendeln und voll im Berufsleben stecken, können mitunter besonders interessante Eindrücke und Inputs liefern.

C wie CHAMÄLEON

Es gibt sie, die Chamäleons unter den Testpersonen. So bezeichnen wir die Menschen, die möglichst häufig an User Tests teilnehmen möchten. Hierzu geben sie sich einmal als kinderlos und das nächste Mal als Alleinerziehende aus. So versuchen sie, sich durch die Welt der Screener zu schlängeln und glauben, dann schon einen passenden Mehrwert bieten zu können. Manchmal liegt es also an der Testperson, manchmal aber auch am Interpretationsspielraum, den der Rekrutierungsfragebogen lässt, dass der Test kein zufriedenstellendes Ergebnis liefert. Überlege dir z. B., wie du ein wichtiges Kriterium klar formulieren und prüfen kannst. Wenn du zwingend Autofahrer benötigst, dann erwähne im Screener, dass potentiell eine Testfahrt durchgeführt wird, oder verlange die Vorlage eines Führerscheins. Auf diese Weise wird ein klarer Rahmen festgelegt, und die Rekruter können gezielter nach Testpersonen suchen.

D wie DIGITALE NATIVES

Wir alle mögen sie. Gemeint sind die Personen, die an deinem Prototypen sitzen, genau wissen, wie man dieses Mobiltelefon bedient und sich in der Welt der modernen Computertechnologie zu Hause fühlen. Ihnen brauchst du nicht mehr viel zu erklären. So angenehm dies auch scheint, diese Personen repräsentieren meistens nur einen kleinen Teil deiner Nutzer. Ja, es ist mühsam, wenn jemand immer wieder auf den nicht klickbaren Balken klickt, oder erst stundenlang seine Brille hervorkramen muss, um etwas auf deinem Prototypen erkennen zu können. Aber dies wird eben auch im „richtigen Leben” passieren. Beklage dich also nicht über technisch nicht-affine Menschen, sondern lerne von ihnen, wie du deine Produkte noch zugänglicher machen kannst.

E wie ELOQUENT

Unterhalte dich, wenn möglich, mit den Testpersonen in ihrer Muttersprache. Finessen in einer Fremdsprache zu erklären, erfordert ein sehr hohes Sprachniveau. Dies macht nicht nur deine Testperson unnötig nervös, sondern liefert auch dir weniger präzise und verlässliche Erkenntnisse.

F wie FAMILY & FRIENDS

Ja, es ist ein besonders einfacher und schneller Weg, deinen besten Freund zu fragen, was er von deinem neuen Produkt hält. Er wird sich bestimmt ausreichend Zeit nehmen, äußerst positiv an die Sache herangehen und auch kein Geld für seine Einschätzung verlangen. Allerdings wirst du mit höchster Wahrscheinlichkeit auch kaum nützliche Kritik erhalten. Selbst wenn du Freunde und Familie bittest, ehrlich und kritisch zu sein, ändert dies nichts daran, dass diese Menschen dich mögen. Auch wenn sie es versuchen, sie werden die emotionale Verbindung zu dir nicht einfach ablegen können. Spare also nicht bei der Auswahl der Testpersonen, wenn du echtes Feedback willst.

G wie GRASGRÜN HINTER DEN OHREN

Eine gute Testperson ist nicht geübt und ja, sie ist nervös. Sie kennt keine UX Begriffe und spricht frei von der Leber weg. Jene Rückmeldungen sind authentisch und liefern mitunter unerwartete Eindrücke. Und das ist genau das, was du willst.

H wie HIPSTER

Diese Testperson hat sie alle schon gesehen, die coolen Apps und Produkte dieser Welt. Beeindrucken kannst du diesen Typen nicht so einfach. Nutze dies! Frag die Person nach ihren Lieblings-Apps und lass dir diese zeigen. Frag die Testperson, was diese Apps für sie so besonders macht und was ihr daran gefällt. Das lässt dich besser verstehen, mit welchen Augen diese Testperson dann deinen Prototypen anschaut und bewertet.

I wie INTRO

Bereite dich gut auf das Intro deines Tests vor. Deine Testperson weiß nicht, was sie erwartet. Hier kannst du dich vorstellen und einen Rahmen für den User Test setzen. Wir haben einen Artikel verfasst, der dir aufzeigt, wie du bei Testpersonen einen guten Eindruck hinterlässt und ihnen einen Teil ihrer Nervosität nehmen kannst.

J wie JOKER

Du hast panische Angst davor, einen No-Show unter deinen Testern zu haben? Du erwartest einen Besuch der Geschäftsleitung oder deines Kunden, und es darf auf keinen Fall etwas schief gehen? Hierfür gibt es die Option eines Jokers. Hole dir eine Testperson, die den ganzen Tag vor Ort ist. Stelle ihr ein Meeting-Raum oder eine Sofaecke mit guter Internetverbindung zur Verfügung. So hast du jemanden vor Ort, der im Notfall jederzeit einspringen kann.

K wie KÖNIG KUNDE

„You’ll never get a second chance to make a first impression.” Denk daran, dass deine Testperson dein potentieller Kunde ist und behandle diese entsprechend. Die Testperson hat sich mental darauf vorbereitet, zu dir zu kommen. Sie möchte dir helfen, dein Produkt zu verbessern. User Testing ist für deine Testperson nichts Alltägliches, sie wird anderen Leuten davon erzählen. Also nutze diese Chance.

L wie LAUTDENKER

Es gibt Momente im Leben, in denen Schweigen Gold ist. Zum Beispiel morgens um 7 in der Straßenbahn. Beim User Testing jedoch brauchst du Personen, die möglichst gesprächig sind. Sie sollen alle Gedanken mit dir teilen, auch wenn sich dies teilweise unnatürlich anfühlen mag. Ermutige sie gegebenenfalls dazu und mache ein Beispiel: „Ich möchte den Bestellvorgang jetzt abschließen und suche deshalb nach einem Bezahlen-Button”.

M wie MAMBO NO. 5

Es müssen nicht Monica, Erica, Rita, Tina und Sandra sein. Jedoch empfiehlt es sich, mindestens fünf Testpersonen pro User Testing einzuladen. Wenn du in einem sehr agilen Umfeld arbeitest und auch kleine Produktänderungen testest, reichen auch drei. Studien haben gezeigt, dass fünf Personen den Großteil aller Probleme aufzeigen. Wenn mehr Personen eingesetzt werden, wiederholen und bestätigen diese die bereits gemachten Aussagen, liefern jedoch wenig neue Erkenntnisse.

N wie NO-SHOW

Du hast alles perfekt vorbereitet und dann das: Du wartest und wartest und niemand taucht auf. Leider kommt es immer mal wieder vor, dass Testpersonen nicht erscheinen. Dies passiert, selbst wenn du die Testperson noch so gut gebrieft und noch so oft an den Termin erinnert hast. Die Testperson verpasst den Zug, wird krank oder bekommt im letzten Moment kalte Füße. Für diese Fälle lohnt es sich, zusätzliche Termine  und eventuell eine Person mehr einzuplanen (siehe „Joker”).

O wie OBERSCHLAU

Nicht alles, was eine Testperson erzählt, muss auch 100 % so umgesetzt werden. Es gibt Testpersonen, die unfassbar gerne nach ihrer Meinung gefragt werden. Und dabei auch gerne glauben zu wissen, wie das Leben (und deine App) funktionieren sollen. Bleib auch in diesen Fällen respektvoll und höre zu, filtere aber das Gesagte. Hierzu ist es hilfreich, wenn man ein User Testing zu zweit durchführen und im Anschluss daran darüber diskutieren kann, was nun für die Auswertung relevant ist und was man getrost vernachlässigen kann.

P wie PROFITESTER & PANELHOPPER

Es gibt immer wieder Testpersonen, die ihre Sache ganz besonders gut machen wollen. Sie lieben Testings und melden sich bei allen möglichen Plattformen an. Sie kaufen sich Bücher und informieren sich, wo sie nur können. Das macht sie allerdings zum genauen Gegenteil einer guten Testperson. Die Testleiter sind die Profis und brauchen keine andere Profi-Meinung. Die Rückmeldung soll möglichst authentisch sein. Versuche also, solche Testpersonen zu vermeiden. Bei professionell betriebenen Panels sollte diese Art von Teilnehmern jedoch von Anfang an ausgeschlossen worden sein.

Q wie QUASSELSTRIPPE

Es wird Testpersonen geben, die immer wieder vom Thema abschweifen und dir von den Enkelkindern, ihrem Mittagessen und aus ihrem Leben erzählen wollen. Ich empfehle dir, erst einmal eine Weile zuzuhören, bevor du die Person dann in ihrem Redefluss stoppst. Auf den ersten Blick mögen die Aussagen vielleicht nicht relevant für deinen konkreten Test sein, sie können dir jedoch auch etwas über den Menschen verraten, der hinter dem Produkt steht. Es kann dir helfen, dein Produkt noch zielgerechter zu gestalten, wenn du verstehst, wer es nutzt.

R wie RASSELBANDE

Bestimmte Testpersonen sind darauf angewiesen, dass sie Kind und Kegel mit zum User Testing nehmen können. Überlege dir im Voraus, ob dies möglich ist und biete es dann proaktiv an. So schließt du keine passende Testperson aus.

S wie STIMMUNG

Überlege dir, welche Stimmung für deinen Benutzertest relevant ist. Der Ort, an dem du den Test durchführst, kann einen großen Einfluss auf deine Testperson und die entsprechenden Antworten haben. Ein Marktforschungslabor transportiert Sachlichkeit und Neutralität, ein Coworking Space oder gar ein Café bieten dagegen eine eher lockere und informelle Atmosphäre. Die richtige Umgebung für ein Produkt-Testing richtet sich immer nach der Art des Produkts. Schokolade in einem Labor zu testen, nimmt der Situation viel Sinnlichkeit. Auf der anderen Seite mag es irritierend wirken, ein Tool für Online-Banking in einer Bar zu testen. Überlege dir, welche Stimmung bei deiner Testperson ausgelöst werden soll und gestalte die Lokalität entsprechend.

T wie TEE TRINKEN

Überfordere dich und deine Testpersonen nicht. Plane Pausen vor und nach einem User Test ein. Vielleicht hast du eine extrem ergiebige Testperson und möchtest die Session verlängern. Ermögliche solche Momente und plane nicht direkt im Anschluss die nächste Testperson ein. Gönne dir und der Testperson ausreichend Zeit. Auf diese Weise erhältst du auf alle deine Fragen eine Antwort und kannst der Testperson auch einmal etwas mehr Zeit zum Überlegen geben.

U wie UX DESIGNER

Ja, es ist verlockend, sich einmal bei einem anderen User Test einzuschleichen, um zu sehen, wie es denn die Berufskollegen so machen. Denke aber daran, dass dies die Aussage der User Tests verfälscht. Expertenmeinungen sind zwar wichtig, hier jedoch fehl am Platz. Wenn du teilnehmen möchtest, melde dich auch offiziell an.

V wie VORSICHTIGE

Neben etwas nervösen Testpersonen gibt es auch solche, die unglaubliche Angst haben, etwas kaputt zu machen. Sie trauen sich kaum, die Maus anzufassen, geschweige denn, sie zu bedienen. Ermutige diese Personen, einfach darauf los zu probieren. Erkläre ihnen, dass du am meisten von ihnen lernst, wenn sie das Produkt so ausgiebig wie möglich nutzen und damit herumexperimentieren.

W wie WILDES PFERD

Die Rennfahrer unter den Testpersonen klicken und scrollen darauf los, dass du kaum hinterher kommst. Falls deine Testperson alles gleichzeitig machen will und nervös wird, bewahre Ruhe. Erinnere sie daran, welche Aufgabe gestellt wurde. Teile diese gegebenenfalls in mehrere kleine Aufgaben auf. Bitte die Testperson zum Beispiel, ein Standbild zu kommentieren, bevor weiter geklickt werden darf.

X wie XENOPHOB

Teste dein Produkt auch mit Menschen, die Nicht-Muttersprachler sind. Denke daran, dass ein wesentlicher Teil der Bevölkerung zugewandert ist und ganz unterschiedliche Wurzeln hat. Verstehen diese Testpersonen deinen Prototypen nicht, hast du vielleicht Formulierungen verwendet, die zu viel Vorwissen benötigen.

Y wie YETI-TYP

Der Yeti-Typ scheint der Eiszeit entsprungen. Er wirkt kühl und seine Kritik knallhart. Diese Testperson wünscht sich zurück in die guten alten Zeiten. Und lässt dies auch alle anderen gerne und oft wissen. Du wirst diese Art von Testperson nicht begeistern können, ganz egal, wie sehr du dich bemühst. Falls du es mit einem Yeti-Typen zu tun hast, entspanne dich. Anstatt noch mehr Show zu bieten, reduziere diese. Löse dich von deinem Prototypen und versuche herauszufinden, was dieser Person tatsächlich fehlt. Vielleicht bietet dir dies ja eine unerwartete Erkenntnis.

Z wie ZIRKUSARTIST MIT SCHUHGRÖSSE 36 UND ZWEI HAMSTERN (AM BESTEN GRAU GEFLECKT)

Es ist wichtig, dass du den Nutzer kennst, für den du etwas gestaltest. Versuche jedoch, dir diese Person nicht zu kleinkariert auszumalen und zurecht zu legen. Auch Nutzer, die deiner vordefinierten Person nicht exakt entsprechen, werden dein Produkt nutzen. Schränke dich beim Testen nicht zu stark ein, indem du dich zu stark auf nicht relevante Dinge konzentrierst.

Habe ich noch etwas vergessen? Hast du Erfahrungen gemacht, die du gerne mit anderen UX Designern teilen möchtest?